Tinder: Auch die Corona-Krise kann die Dating-App nicht stoppen

Die Dating-App Tinder ist ein seltsamer Ort, wie wohl jeder bezeugen kann, der sie einmal im Einsatz hatte. Dort tummeln sich einsame Herzen, die oft die typischen Vorurteile gegen Singlebörsen bestätigen: Gerade frisch getrennt, geplagt von psychischen Problemen oder einfach auf der Sache nach Selbstbestätigung oder einem Seitensprung – man muss bei Tinder nicht lange suchen, um jene Klientel aufzustöbern. Lange suchen muss man dort meiner Erfahrung nach eher nach Menschen, die… nun ja „normal“ sind (auch wenn dies jeder natürlich anders definiert). Doch laut dem CEO Elie Seidman sieht es für Tinder selbst in der Corona-Krise rosig aus.

Noch 2020 will Tinder etwa eine Option für Video-Chats einführen – die soll streng durch künstliche Intelligenz moderiert werden, da man sich denken kann, was dort sonst vorwiegend zu sehen sein würde. Eine KI werde aber quasi als Anstandsdame dabei sein und z. B. den Chat abbrechen, wenn sich ein User spontan entschließe nackte Tatsachen zu präsentieren. Laut Seidman habe man sich da gewissermaßen zwischen absoluter Privatsphäre und Sicherheit für die Nutzer entscheiden müssen – man wolle lieber mit Sicherheitsmaßnahmen unliebsame Überraschungen vermeiden. Screenshots wolle man ebenfalls blockieren.

In einem langen Interview mit The Verge hat Seidman die Zukunftspläne für die populäre Dating-App genauer aufgeschlüsselt. So beobachte man in der Corona-Krise sogar eine besonders intensive Nutzung. Ganz unlogisch ist das nicht: Wenn man als Single in der Bar oder dem Club keine anderen Singles treffen kann, dann bietet sich der virtuelle Weg noch stärker an – selbst wenn es da in der Pandemie mit persönlichen Treffen so eine Sache ist.

Allerdings unterscheidet der CEO zwischen der verstärkten Nutzung der App, die sei definitiv gegeben, und den Einnahmen durch Menschen, die für Premium-Features zahlen. Da stagniere man mit 6 Mio. zahlenden Abonnenten aktuell bzw. bemerke keine wirklichen Auswirkungen. Tinder arbeitet da im Übrigen auch an einem Global Mode, der dann Verbindungen zwischen Nutzern ungeachtet der Entfernung ermöglichen soll. Aktuell ist es zwar schon möglich, sich international anzeigen zu lassen, aber nur als Teil der kostenpflichtigen Premium-Features.

Für die Zukunft wolle man bei Tinder zudem dafür Sorge tragen, dass die Nutzer innerhalb der App mehr miteinander interagieren können. In diese Kerbe schlägt ja eben auch der Global Mode – denn da sind persönliche Offline-Begegnungen deutlich schwieriger zu realisieren. Tinder will die User und ihre Interaktionen also stärker in der App halten. So könne es Vorteile haben, sich zunächst ausgiebig digital kennenzulernen, eine Verbindung aufzubauen – bevor man sich auf dieser Basis dann offline treffe.

Außerdem wolle Tinder davon weggehen die Gemeinsamkeiten und Verbindungsmöglichkeiten an Orten festzumachen – es sage weniger über zwei Menschen aus, ob sie einmal dasselbe Café besucht hätten, als welche Interessen sie haben. Gleichzeitig bleibe Tinder aber auf die Fotos der Nutzer fokussiert, denn nur wenige Singles hätten Lust lange Aufsätze über sich zu verfassen – oder die von anderen zu lesen. Deswegen hätten sich frühe Singlebörsen fast wie Bewerbungsplattformen angefühlt, sie hätten laut dem Tinder-CEO keinen Spaß gemacht, da es einfach darum ging möglichst viele Daten von sich anzugeben.

Als Hauptzielgruppe visiert Tinder auch weiterhin die Nutzer im Alter von 18 bis 25 Jahren an. Es gebe zwar auch viele ältere Nutzer, aber die genannte Altersgruppe sei auch für die Zukunft der Kern. Erwähnt sei dabei noch, dass Tinder zur Match Group gehört – genau wie Ok Cupid.

 

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