Betrügen genauso of wie Männer – Yale-Forscherin: “Frauen sind nicht für die Monogamie gemacht”


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Betrügen genauso oft wie Männer: Yale-Forscherin: „Frauen sind nicht für die Monogamie gemacht“

    Auch wenn es uns von Kindesbeinen oft anders eingeimpft wird: Fremdgehen, Affären, mehrere Sexualpartner, all das ist nichts, das nur Männer betrifft. Frauen betrügen mindestens genauso, sagt Yale-Forscherin Wednesday Martin. Denn Frauen suchen nicht immer nur nach Intimität und emotionaler Bindung.

    Es herrscht kein Mangel an Forschung zu den Beweggründen, aus denen Menschen fremdgehen. Die wohl verbreitetste Überzeugung, eine, die wir verinnerlicht und um die herum wir unsere ganze Kultur, unsere sämtlichen Geschlechterrollen konstruiert haben, ist die vom sauberen Gegensatz zwischen sexhungrigen Männern und bindungs- und intimitätshungrigen Frauen.

    Man kann das Wort “Affäre” nicht googeln, ohne letztlich doch bei dieser “ewigen Wahrheit” über Lust und Hingabe zu landen. Aber erklären Sie das mal Alicia Walkers Studienteilnehmerinnen, jenen, die sich bei ashley madison angemeldet haben und dort nach Männern suchten, die ihnen das bieten konnten, was ihre Ehe ihnen versagte: Sex. Oder jenen, die in erklärtermaßen heterosexuellen Ehen stecken, aber online nach anderen Frauen suchen, um mit diesen One-Night-Stands zu arrangieren. (…)

    Spannend, aber gerade keine Zeit?

    Frauen wird eingebläut, sie suchten nach Intimität und emotionaler Bindung

    Allzu oft werden ProbandInnen Fragen gestellt, die bereits tendenziös formuliert sind und dazu verleiten, eine bestimmte Antwort zu geben, oder der Druck gesamtgesellschaftlicher kultureller Erwartungen führt zum gleichen Ergebnis.

    Frauen, denen eingetrichtert wird, sie suchten nach Intimität und emotionaler Bindung, werden sehr wahrscheinlich verinnerlichen, so sei nun mal das Wesen der Frau, und deshalb müssten auch sie so sein, und wenn dann die Forscher immer wieder die erwartete Antwort bekommen, gibt es für sie wenig Grund, zum Thema sexuelle Motivation, Identität und Begehren bei Mann und Frau überhaupt solche Fragen zu stellen (…).

    Es gibt viele Gründe, warum Frauen “untreu” sind

    Einige Frauen haben Affären, weil sie es können. Wenn sie Zugang zu Ressourcen haben, besonders wenn sie die Brötchenverdienerinnen beziehungsweise Haupternährerinnen eines Haushalts sind, dann verleiht das den Frauen der industrialisierten westlichen Welt dieselbe sexuelle Autonomie wie einst den Wyandot, die in einer Gesellschaft lebten, in der Frauen als Versorgerinnen der Gruppe ein hohes Prestige genossen.

    Mindestens ein Dutzend Frauen hat mir Geschichten erzählt von Freundinnen oder von Freundinnen von Freundinnen, die persönlich wohlhabend waren, über ein eigenes Haus und Treuhandfonds verfügten oder über akkumulierten oder erarbeiteten Reichtum und die deshalb in der Lage waren, über ihr Sexualleben frei bestimmen zu können. (…)

    Andere Frauen sind “untreu”, weil sie es sein müssen, weil es von ihnen erwartet wird oder weil es zweckmäßig ist. In vielen südamerikanischen Kulturen mit teilbarer Vaterschaft gilt eine monogame Frau leicht als geizig und als schlechte Mutter. (…)

    Über die Autorin

    Wednesday Martin ist Anthropologin und Sozialforscherin, studierte in Yale und lehrte an der New School for Social Research in New York. Sie ist verheiratet, hat zwei eigene und zwei Stiefkinder und lebt mit ihrer Familie in New York City. Als Journalistin und Autorin schreibt sie vor allem über Themen wie Familie, Gender und Popkultur. Ihre Beiträge erscheinen u. a. in The New York Times, The Daily Telegraph und Psychology Today. Hier lesen Sie einen Auszug aus ihrem aktuellen Buch.

    Frauen sind nicht immer ehrlich und nicht immer aufopferungsvoll

    Nun wissen wir also ein wenig Bescheid über diese Frauen, die fremdgehen. Sie sind wie wir alle. Sie langweilen sich in ihrer Ehe oder sind sex- und orgasmuslos in ihrer Ehe oder sind glücklich in ihrer Ehe, jedenfalls sind sie wild darauf, mit jemand anderem als ihrem Ehepartner, ihrer Ehepartnerin ins Bett zu gehen, oder sie haben Geld und Macht, die ihnen erlauben zu tun, was sie wollen, oder sie leben in einer Kultur, die vorgibt, dass Monogamie Geiz bedeutet, oder in einer, wo Monogamie gar keine Option darstellt. Oder sie haben eine gewisse sexuelle “Persönlichkeit”.

    Wie Männer tun sie es oft einfach, weil ihnen danach ist. Aus Spaß oder aus Rache oder weil sie in einer fremden Stadt sind oder einen über den Durst getrunken und ihren Gefühlen für diese/n oder jene/n KollegIn nachgegeben haben.

    Was auch immer der Grund sein mag: Während des Zeitfensters ihres Fremdgehens, ob es jetzt eine Begegnung von einer halben Stunde ist oder eine jahrelange Affäre, sind sie keine Mütter oder Ehefrauen oder Angestellten. Sie sind nicht ehrlich und nicht aufopferungsvoll. Sie sind nicht sittlich gut, nicht bewundernswert.

    Aber man mache sich nichts vor, eines sind sie: und zwar sie selbst.

    Unser liebstes Gegensatzpaar ist nicht aufrechtzuerhalten

    Zur weiblichen Sexualität, zu ihrem Erbe, zu ihrer Gegenwart und Zukunft gehört, dass sie selbstbewusst ist, lustzentriert und eigennützig. Und wenn wir noch so sehr darum herumpathologisieren – wir können nicht ändern, (…) dass Frauen, wenn die Umstände stimmen, mit derselben Wahrscheinlichkeit fremdgehen wie Männer. Unser liebstes Gegensatzpaar ist nicht aufrechtzuerhalten.

    Die Welt wird umgeschrieben. Aber bestimmte Regeln und Formeln wollen nicht weichen, und die Lehre der Kulturen aller Welt, der Frauen unser aller Bekanntschaft ist eindeutig: Es gibt keine Freiheit, wenn sie nicht die Freiheit einschließt, ohne allen Zwang – oder über alle Zwänge hinweg – selbst zu wählen, mit wem man sich lieben will.

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